
KREIS SCHWEINFURT
68. Jahrgang Nr. 36, Montag 13. Feb. 2012 zur Verfügung gestellt vom: Schweinfurter Tagblatt
Von unserem Redaktionsmitglied
HANNES HELFERICH
Neu: Kniebefund dreidimensional
Erstmals Live-OP-Simulation an einem Kunststoffknochen in 3 D-Technik übertragen
WERNECK Welturaufführung, Weltpremiere, Sensation. An Superlativen fehlte es bei der erstmaligen Übertragung einer Live-OP-Simulation am Kunststoffknochen in 3D-Technik am Samstag in der Orthopädischen Klinik im Schloss Werneck nicht. Das Interesse am Ereignis beim Knietag der Bezirksklinik war entsprechend groß. Weil der Platz für die über 600 Besucher - viele outeten sich als Menschen mit Kniebeschwerden - im Guddensaal nicht ausreichte, wurde die gut zweistündige Veranstaltung in einen weiteren Saal übertragen.
Die 3 D-Technologie soll bald auch im Alltag der Klinik Einzug halten, erklärte der Ärztliche Direktor der Klinik, Professor Christian Hendrich. Beim Projekt geht es um die Übermittlung von medizinischen Befunden in 3 D. Beim Knietag wurde die OP-Simulation mit einer speziellen Kamera aufgenommen und direkt projiziert. Die Besucher sahen auf einer Leinwand in der „alten" 2 D-Technik, auf einer weiteren in 3 D. Die dazu nötige 3 D-Brille hatte es beim Zutritt gegeben.
Dem Zuschauer präsentierte sich auf der 3 D-Leinwand ein vielen eher nicht bekanntes plastisches Bild. „Man fühlt sich mittendrin, statt nur dabei", sagte etwa Hendrich. Dieser plastische Eindruck soll in Zukunft auch den nachbehandelnden Ärzten und ihren Patienten das Verständnis erleichtern. „Die Patienten wollen einfach verstehen, was auf sie zukommt oder wie es in ihrem Kniegelenk aussieht."
Um die neue Technologie zu nutzen, arbeitet die Klinik mit Matthias Triebel zusammen, der in Schweinfurt ein Unternehmen für 3D-Technologie betreibt (wir berichteten). Gemeinsam haben Klinik und Triebel schon 2011 ein Schulungsvideo für Hüftchirurgen gedreht, das auf dem europäischen Orthopädenkongress für Aufsehen gesorgt hat. Eine Weiterentwicklung ist nun die Technik der Live-Übertragung.
„Es wird nichts mehr abgeschnitten" Kniespezialist Franz Engelmaier
In Zukunft sollen zum Beispiel die Befunde von einer Operation oder von einem Gelenk mit Hilfe der neuen Technologie an einem entsprechenden Monitor in der Arztpraxis den Patienten erklärt werden.
Wie bei einer „richtigen" Operation präsentierten sich der Leitende Oberarzt und Kniespezialist Franz Engelmaier mit seinem Team auf der Guddensaal-Bühne: in Astronauten anzügen. Sie werden an der Klinik seit Jahren aus Hygienegründen und zum eigenen Schutz der Operateure getragen.
Gerade im Bereich des Kniegelenkes haben viele Patienten Angst, dass bei der Operation wichtige Strukturen unwiederbringlich zerstört werden. „Das Gegenteil ist aber der Fall", erklärten Engelmaier und Hendrich, der ergänzend er- und aufklärte. Zusammenfassend: Die heutigen modernen künstlichen Kniegelenke bewahren Bänder und Kapsel, es „wird nichts mehr abgeschnitten" (Engelmaier), nur die zerschlissenen Knorpeloberflächen werden wie bei einer Zahnkrone ersetzt.
Die Klinik verfügt über acht verschiedene Knieprothesen-Systeme, die bis zu 30.000 Varianten ermöglichen. Eine Frau hat eine andere Anatomie als der Mann, ein Sportler eine andere als ein weniger Aktiver. Für jeden finde sich so der passgerechte „Maßanzug", sagte Hendrich.
Und: Auch bei der Nachbehandlung hat sich viel getan. Erfolgreich eingesetzt wird die Versorgung der Patienten mit einem Schmerzkathe ter mit elektronischer Pumpe. Über diese Pumpe erhält der Patient während der ersten Tage kontinuierlich Mittel zur Betäubung. Über einen Knopf kann der Patient noch zusätzlich Medikamente geben. Mit dieser Methode kann der Schmerz während der ersten Tage auf die Hälfte reduziert werden, erklärte Engelmaier.
Das ehrgeizige Projekt passte in die Förderung der Bayerischen Sparkassenstiftung, die den gemeinnützigen Förderverein des Orthopädischen Krankenhauses mit 30.000 Euro unterstützt. Weitere 5.000 Euro steuerte die Sparkasse Schweinfurt bei.
Die Schecks überreichten der Stiftungsvorsitzende Ingo Krüger (München) und Schweinfurts Sparkassenvorstand Johannes Rieger. Davor warb Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel in eigener Sache: Im Gegensatz zu privaten Kliniken müssten Kliniken in kommunaler Trägerschaft wie die Bezirksklinik im Schloss Werneck keine Gewinne erzielen, weshalb man in der Lage sei, eine „bessere Pflege und besseren Service anzubieten".
Abschlussfrage an Hendrich: Wann ist damit zu rechnen, dass der Patient seinen Kniebefund dreidimensional mit nach Hause bekommt? „Das geht schneller als gedacht - bereits in zwei Jahren werden entsprechende Geräte weit verbreitet sein und unser Programm tragen."
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