Interview

Jeder Mensch hat Angst vor dem Krankenhaus. Aber das Krankenhaus ist keine Maschine, denn Medizin wird von Menschen gemacht. Um den Lesern einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren, kommen in zwölf Folgen Mitarbeiter des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck zu Wort, die sich und ihren Arbeitsplatz vorstellen. In der heutigen letzten Folge spricht die Klinikleitung: Frau Pflegedirektorin Petra Schuler, Herr Krankenhausdirektor Bernd Pallasch und Prof. Christian Hendrich als Ärztlicher Direktor.

Herr Prof. Hendrich – liegt hinter Ihnen wieder ein erfolgreiches Jahr?
Noch nicht ganz – die Klinik ist noch voll. Aber bisher konnten wir fast alle unsere Ziele erreichen oder übertreffen.

Was waren die medizinischen Neuerungen 2010?
Unsere bisherigen Schwerpunkte Hüfte und Knie konnten wir weiter ausbauen. Auch 2010 gehören wir zu den Top-10 für Endoprothetik in Deutschland. Neue Schwerpunkte sind die Wirbelsäule, die Schmerztherapie und die Schulterchirurgie. Zuletzt konnten wir mit Herrn Dr. Oswald einen Schulterspezialisten als neuen Oberarzt gewinnen.

In der amerikanischen Managementliteratur gilt das Krankenhaus als ideales Modell für Unternehmen der Zukunft…
Tatsächlich ist die Hierarchie im Krankenhaus eher flach. Man kommt sehr schnell auf die Ebene der Experten. Unser Vorteil gegenüber größeren Krankenhäusern liegt tatsächlich darin, dass jeder jeden persönlich kennt.

Frau Schuler, neben Ihren Aufgaben als Pflegedirektorin sind Sie auch für das Beschwerdemanagement im Orthopädischen Krankenhaus verantwortlich. Was war 2010 der Hauptbeschwerdegrund?
Wie in den Jahren zuvor die räumlichen Verhältnisse im Hauptschloss. Aber das ist in wenigen Wochen endgültig Geschichte…

Und wofür gab es das größte Lob?
Für unsere familiäre Atmosphäre. In unserer Befragung sind 97% unserer Patienten mit uns zufrieden. Bundesweit sind nur 66 % der Befragten mit ihren Krankenhäusern zufrieden. Unsere Patienten fühlen sich bei uns nicht als „Fall“, sondern einfach gut aufgehoben.

Wie wurde diese Anzeigenserie aufgenommen?
Einige Konkurrenten haben uns gefragt, ob wir das nötig haben. Ich sage darauf: In der heutigen Zeit wollen unsere Patienten einfach besser informiert werden. Mit einer so guten Resonanz von unseren Patienten haben wir aber gar nicht gerechnet.

Herr Pallasch, als Krankenhausdirektor und Diplom-Kaufmann sind Sie für die Finanzen verantwortlich?
Das ist natürlich ein Schwerpunkt. Die von mir geleitete Krankenhausverwaltung ist aber auch für alle sonstigen Bereiche zuständig, die für den Betrieb eines Krankenhauses ebenfalls erforderlich sind. Dies reicht von Beschaffungen und Technischen Diensten über EDV und Controlling bis hin zur Personalverwaltung und Leistungsabrechnung. Seit Jahren arbeitet unser Krankenhaus nicht nur medizinisch, sondern auch finanziell sehr erfolgreich. Die erwirtschafteten Mittel werden wir wieder vollständig für eine weitere Optimierung der Patientenversorgung einsetzen. So können wir modernste
Operationstechniken mit der Unterkunft in unserem wunderschön renovierten Barockschloss verknüpfen.

Frau Schuler, was macht eine Krankenhausleitung nach Feierabend?
Mir geht es sicherlich so ähnlich wie Professor Hendrich und Herrn Pallasch, denen nach einem langen Arbeitstag abends nur noch wenig Freizeit verbleiben. So bin ich noch Gemeinderätin in Gädheim (Landkreis Haßberge), habe eine Familie und als Frau natürlich „das bisschen Haushalt“.

Herr Prof. Hendrich, was dürfen unsere Leser für 2011 erwarten?
Gleich am Anfang einen sensationellen Umbau. Ab 1. Februar bieten wir unseren Patienten historische Zimmer an, die in Deutschland keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Auch Balthasar Neumann wäre wahrscheinlich begeistert. Über das Jahr werden wir für unsere Patienten wieder Info-Tage mit unseren Schwerpunkten Hüfte, Knie, Fuß und Wirbelsäule anbieten. Auch wollen wir einige Neuerungen im Bereich Krankenhaushygiene einführen: Noch in diesem Jahr können wir mit Hilfe einer Laboruntersuchung innerhalb von einer Stunde feststellen, ob der Patient bereits vor einer Operation gefährliche Keime trägt. Ist dies der Fall, können wir entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen. 2011 wird wieder ein aufregendes Jahr…

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