Interview

Dr FeserJeder Mensch hat Angst vor dem Krankenhaus. Aber das Krankenhaus ist keine Maschine, denn Medizin wird von Menschen gemacht. Um den Lesern einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren, kommen in zwölf Folgen Mitarbeiter des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck zu Wort, die sich und ihren Arbeitsplatz vorstellen. Heute spricht Dr. med. Dominik Feser. Er ist Assistenzarzt im 4. Ausbildungsjahr.

Herr Dr. Feser, wie sieht ihr Tag aus?
Wir Assistenten beginnen gegen 7:15 Uhr mit der Visite auf unserer Station. Nach der Morgenbesprechung um 8:00 Uhr sind wir in der Regel den größten Teil des Tages im OP. Nach Abschluss des OPProgramms fällt die normale Stationsarbeit an. Den Tag beende ich persönlich mit einer kurzen Visite, um sicherzugehen, dass bei meinen Patienten alles in Ordnung ist und letzte Fragen geklärt werden können. Zudem sind zwei von uns Assistenten ganztägig für die Aufnahme der neuen Patienten zuständig, ein weiterer ist als diensthabender Arzt in
der Notaufnahme tätig.

Was ist das Besondere an Werneck?
Es ist vor allem das tolle Team. Damit meine ich nicht nur uns Ärzte, sondern auch die gute Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal und den übrigen Fachbereichen. Sogar mit dem Chef kann man notfalls leben (lacht). Eine kurze Erwähnung sollte auch das wirklich einmalige Ambiente verdienen. Und im Gegensatz zu anderen Kliniken hält sich die Dienstbelastung in Grenzen.

In den anderen Fächern beklagen die Assistenten gerade die Verwaltungsarbeiten.
Spaß machen die natürlich keinem. Da bei uns als orthopädische Fachklinik sehr viele Operationen standardisiert ablaufen, sparen wir durch gleiche Arbeitsabläufe einiges an Verwaltungsarbeiten. Außerdem haben wir zur Unterstützung der Assistenten ein Team von zwei Leuten, das sich schwerpunktmäßig um die Diagnosenverschlüsselung kümmert. Die morgendlichen Blutabnahmen koordiniert und erledigt unser Labor.

Stichwort Dienstbelastung - früher gab es 36-h-Dienste und mehr?
So lange ist das bei mir gar nicht her. Am Uniklinikum Gießen hatte ich noch das Vergnügen. Dahingegen genieße ich es in Werneck, nach dem Nachtdienst normalerweise direkt nach Hause gehen zu können. Und dadurch, dass wir im Moment zwölf Assistenzärzte sind, beschränken sich die 24-h-Dienste auf etwa drei pro Monat. Das ist gut machbar.

Man hört in den Medien soviel über Ärztemangel. Sind bei Ihnen alle Stellen besetzt?
Zur Zeit ja - aber in Kürze suchen wir wieder Verstärkung. Durch die vorhandene Notaufnahme und Wachstation besteht in unserem Hause die Weiterbildungsberechtigung für die sogenannte Basis-Weiterbildung Chirurgie, sodass auch Kollegen bzw. Kolleginnen direkt nach der Uni bei uns anfangen können. Aller Voraussicht nach wird es künftig auch möglich sein, fast die komplette Facharztausbildung in Werneck zu absolvieren.

Sie selbst sind von einer Uniklinik nach Werneck gewechselt?
Zuvor war ich am Universitätsklinikum Gießen in der Abteilung für Unfallchirurgie tätig. Als sich die Möglichkeit bot, in meine unterfränkische Heimat zurückzukehren, war ich natürlich erfreut. Werneck bietet für mich den perfekten Mix aus Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Klinik verfügt über das gesamte Spektrum der Skelettchirurgie einschließlich der Wirbelsäule. Zudem haben wir ein Kompetenzzentrum für Kernspintomographie und eine eigene Schmerztherapie.

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Auf längere Sicht natürlich die Beendigung der Facharztausbildung. Durch die enge Zusammenarbeit unserer Klinik mit dem Wirbelsäulenzentrum der Schönklinik Vogtareuth werde ich im Herbst dieses Jahres für einige Monate dorthin wechseln. So kann ich mich speziell in diesem Bereich weiterbilden. Eine ähnliche Kooperation besteht mit der Charité in Berlin, wo wir uns im Bereich der Schwerstverletztenversorgung fortbilden können. Ein Teil von uns Assistenten erhält auch die Möglichkeit, im Rahmen wissenschaftlicher Projekte einige Zeit an der Universität in Chicago zu verbringen.

Sie selbst leben in Würzburg. Ist Ihnen die Fahrerei nicht zuviel?
Die Mehrheit der Assistenzärzte und auch einige Oberärzte leben in Würzburg. Durch die gute Verkehrsanbindung stellt dies kein größeres Problem dar. Umständlich machen es derzeit nur diverse Baustellen. Zum Glück entfällt in Werneck das Problem der Parkplatzsuche. Wir haben dadurch beides: tagsüber ein übersichtliches, familiäres Krankenhaus und in der Freizeit die Vorzüge der „Großstadt“.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?
Neben sportlichen Aktivitäten wie Laufen, Radfahren oder Tennis verbringe ich viel Zeit mit unserem Hund! Und ab und zu möchte die Freundin ja auch was von einem haben… (lacht)

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